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Kultur, Bildung, Medien

11.12.2017 - Artikel

Stand: Mai 2018

Kultur

Indien weist eine unermessliche kulturelle und religiöse Vielfalt auf, wobei die hinduistische Tradition im öffentlichen Erscheinungsbild vorherrschend ist. Rund 80% der Inder sind Hindus, etwa 14.2% Muslime, 2,3% Christen, 1,9% Sikhs; ferner gibt es Buddhisten, Jains, Parsen und Bahai. Ein herausragendes Merkmal ist auch die sprachliche Vielfalt Indiens. Nach dem indischen Grundgesetz gilt Hindi, in der Devanagari Schrift geschrieben, als die offizielle Sprache Indiens, 22 weitere Regionalsprachen sind offiziell anerkannt. Zusätzlich ist Englisch eine landesweit übliche und anerkannte Sprache. Es besteht ein weit verbreitetes Selbstverständnis von Indien als einem demokratischen, säkularen und toleranten Vielvölkerstaat.

Die staatliche Förderung von Kultur konzentriert sich auf einen Kernbereich in den Akademien für Literatur (Sahitya Akademi), bildende Kunst (Lalit Kala Akademi) und darstellende Künste (Sangit Natak Akademi, für Musik, Tanz, Film und National School of Drama für Theater). Die meisten Museen für alte und zeitgenössische Kunst Indiens sind in staatlichen Händen z.B. National Museumoder National Gallery of Modern Art. Befördert durch den florierenden Kunstmarkt für moderne und zeitgenössische indische Kunst hat sich die Szene durch das Aufkommen zahlreicher privater Galerien und der Gründung einiger privater Museen verändert. Zusätzlich fördert das Kulturministerium den Aufbau und Erhalt kleinerer privater, regionaler Museen. Volkskunst, Kunsthandwerk und volkstümliche Traditionen werden von der indischen Regierung durch verschiedene Programme gefördert, die nicht dem Kultusministerium unterstehen, sondern anderen Ministerien, wie dem Ministry of Textiles. Einen hohen Stellenwert in der indischen Kulturpolitik nimmt die Denkmalpflege und die Bewahrung von kulturellem Erbe und Traditionen ein, gefördert von den staatlichen Organisationen „Archaeological Survey of India“ und „Indian National Trust for Art and Cultural Heritage“ (INTACH).

Unter der Regierung der hindu-nationalistischen BJP von PM Modi seit 2014 nimmt die politische Einflussnahme auf öffentlich geförderte Kultureinrichtungen zu. 

Bildung

Das von der britischen Kolonialmacht eingeführte Bildungssystem ist auch nach der indischen Unabhängigkeit in seiner Struktur im Wesentlichen erhalten geblieben: Nach 12 Jahren der Grund- und Sekundarschulbildung kann ein Schulabschluss (sogenannter „10 plus 2“) erreicht werden, der den Hochschulzugang ermöglicht. Laut der zentralen indischen Behörde für Universitäten (University Grants Commission, UGC) gibt es insgesamt 842 Universitäten (Stand: Februar 2018), davon 47 der Zentralregierung, 381 der Bundesstaaten, 123 universitätsgleiche Institutionen und 291 private. Hinzu kommen rund 40.000 Colleges, die meist mit Universitäten assoziiert sind. Zu den herausragende Einrichtungen zählen die Indian Institutes of Technology (IITs), das Indian Institute of Science (IISc) und die Indian Institutes of Management (IIMs). Die indische Regierung hält an dem Ziel fest, die Zahl der Studienplätze landesweit von 14 Millionen im Jahre 2009 auf 40 Millionen bis 2020 auszubauen. Laut All India Survey on Higher Education2016/2017 wird die Zahl der Studierenden an indischen Hochschulen und Universitäten auf etwa 35,7 Millionen (Vorjahr: 34,6) geschätzt. Die indische Regierung plant für die nächsten Jahre auch eine erhebliche Erweiterung der Zahl indischer Hochschulen.
Die indische Regierung bemüht sich durch zahlreiche Programme, insbesondere im Grundschulsektor, dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und sozialen und regionalen Ungleichheiten entgegen zu wirken. Das in der Verfassung verankerte Ziel der „Erziehung für alle“ hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Nach der letzten verfügbaren offiziellen Statistik Indiens , die sich auf das Jahr 2011 bezieht, wird der Prozentsatz der Lese- und Schreibkundigen (7 + Jahre) mit 74.04% der Gesamtbevölkerung angegeben (82.14% männlich und 65.46% weiblich). Die Qualität der Bildungseinrichtungen - von Grundschulen bis Universitäten - weist enorme Unterschiede auf. Privat geführte Institutionen (im Schul- wie im Hochschulbereich) haben sich in den letzten Jahren drastisch vermehrt, verlangen allerdings hohe Schul- bzw. Studiengebühren. Hauptgründe für die überwiegend geringe Qualität der staatlichen Schulen (Grund- und Sekundarstufe) ist sind die nach wie vor unzureichende Lehrerausbildung und die oft schwache finanzielle, personelle und materielle Ausstattung der Schulen. Am 1. April 2010 trat der „Right of Children to Free and Compulsory Education Act“ (RTE Act) in Kraft, der erstmals das Recht eines jeden Kindes im Alter von 6 bis 14 Jahren auf staatlich geförderte Bildung gesetzlich festschreibt. Zudem ist nach Regierungsangaben der Übergang der Schüler/innen in die 5. bis 7. Klassen (upper primary von 83.53% in 2009-10 auf 90.14 % in 2015-16 gestiegen  Die durchschnittliche Schulabbrecherquote in Grundschulen ist dagegen von 9.11% in 2009-10 auf 4.13% in 2015-16 gesunken. 
Neben der Schulbildung hat es sich die Regierung zum Ziel gesetzt, auch die berufliche Bildung zu verbessern: Zu diesem Zweck wurde 2014 eigens ein neues Ministerium für Berufsbildung gegründet. 
Die hindu-nationalistische BJP-Regierung unter PM Modi besetzt Schlüsselstellen in Universitäten mit eigenen Anhängern und lässt Lehrpläne nach ideologischen Kriterien überarbeiten. 

Medien

Indien hat sehr lebendige Medien, wobei die Pressefreiheit dennoch durch informelle, nicht-systematische Maßnahmen immer wieder eingeschränkt wird. 
Zu den umsatzstärksten indischen Medienkonzernen gehören BCCL (unter anderem Times of India Group), HTML (unter anderem Hindustan Times), ABP (unter anderem Ananda Bazaar Patrika, The Telegraph), Dainik Bhaskar, die südindischen Malayala Manorama- und Eenadu-Gruppen sowie The Hindu Group, außerdem The Indian Express Group und Living Media (unter anderem India Today Group). Die meisten Medienhäuser besitzen neben den Printmedien inzwischen auch TV- und Radiosender sowie Internetdienste.
Die gegenwärtige Anzahl der indischen Haushalte mit Fernseher liegt bei etwa 200 Millionen. Das staatliche Fernsehen Doordarshan (DD) wird heute von etwa einem Drittel dieser Haushalte gesehen. Noch bis Anfang der neunziger Jahre hatte DD eine Monopolstellung. Das dann eingeführte private Satelliten- und Kabelfernsehen weist hohe Wachstumsraten zulasten DDs auf. Nutzten 1992 erst 1,2 Millionen Haushalte Kabel- und Satellitenfernsehen, so sind es inzwischen etwa 130 Millionen. Neben den indischen Fernsehsendern werden unter anderem DW-TV, BBC World Service, CNN, NHK und TV5 von den meisten Kabelbetreibern eingespeist. Insgesamt gibt es in Indien über 840 TV-Sender, mehr als die Hälfte davon sind Nachrichtensender (Stand: Ende 2016).
Die Anzahl der TV-Nachrichtensender (zum Beispiel NDTV, TV Today, ABP News, India TV, Zee News, Eenadu, Times Now und News X) steigt kontinuierlich. Der neueste ist Wion TV der ZEE Group. Die Sender stehen in starkem Wettbewerb zueinander und erreichen vorwiegend die urbanen Eliten. NDTV, India Today TV, und ETV Group senden ihre Programme in jeweils einem englisch- (NDTV 24x7, TV Today und TV Eighteen) und einem hindi-sprachigen Kanal (NDTV India, AajTak und IBN 7). Darüber hinaus gibt es auch im Bereich der Privatsender eine Vielzahl von regionalen Nachrichten- und lokalen Programmen in verschiedenen Landessprachen.
Das staatliche Radio „All India Radio“ erreicht laut Broadcasting Authority of India etwa 99% der indischen Bevölkerung und fast 92% der Fläche des Landes. Insbesondere in den Metropolen Delhi, Kolkata, Mumbai und Chennai und Großstädten wie Pune, Jaipur, Chandigarh und Nagpur gibt es zudem auf UKW sendende erfolgreiche private Radiosender, die allerdings bisher keine Lizenz für Nachrichtensendungen haben: Sie dürfen nur die Schlagzeilen des Tages senden.
Indiens Internetmarkt entwickelt sich rasant. Laut den letzten Statistiken hat sich die Zahl der Internetnutzer von 5 Millionen (2000) auf etwa 337 Millionen (2016) erhöht. Damit hat Indien die USA als zweitgrößten Internetnutzer überholt und rangiert nur noch hinter China. Die Zahl der Social Media-Nutzer liegt bei 153 Millionen und ist gemessen an der Bevölkerungsgröße noch recht gering, verzeichnet dafür mit über 45% im Vergleich zum Vorjahr eine sehr hohe Wachstumsrate, und die Zahl der Nutzer steigt kontinuierlich.
Printmedien sind in Indien zahlreich und in vielen Fällen qualitativ hochwertig. Englischsprachige Tageszeitungen haben einen Anteil von 17% an der Gesamtauflage aller Zeitungen, Hindi-Zeitungen nehmen mit 36% den größten Anteil ein, der Rest teilt sich in Regionalsprachen auf. Insgesamt gibt es über 97.000 registrierte Zeitungen bzw. Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 350 Millionen (Stand: August 2015).
Die auflagenstärksten englischsprachigen Tageszeitungen sind Times of India (4,3 Millionen), Hindustan Times (3 Millionen), The Hindu (1,4 Millionen) und The Indian Express (670.000), die größten landessprachigen Publikationen sind Dainik Bhaskar (2,7 Millionen), Dainik Jagran (2,4 Millionen), Malayala Manorama (2,1 Millionen), Amar Ujala (1,3 Millionen) und Gujarat Samachar (1,3 Millionen). Wichtige politische Magazine sind India Today (1,2 Millionen Gesamtauflage in Englisch und 6 indischen Sprachen), Outlook (475.000 in Englisch und Hindi), Tehelka (240.000), The Week (285.000) und Frontline (130.000).

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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